Sport auf hohem Niveau lässt in der Regel wenig Freiräume für andere Aktivitäten: Der Verbandsliga-Handballer Noel Hinz nimmt sich diese Freiräume ganz bewusst und engagiert sich mit seiner Frau im Tierschutzverein Dorsten.
Jetzt ist Handball auf Verbandsliga-Niveau nicht unbedingt ein Sport, der von Streichelzoo-Besuchern betrieben wird und Noel Hinz spielt einen fairen, aber durchaus harten Stil in seiner Funktion auf der Außenposition. „Das ist Sport und der läuft nach Regeln. Regeln gibt es überall und an die hält man sich“, sagt Hinz, während er mit seiner Ehefrau Marina den Grill für das Sommerfest im Dorstener Tierheim am Ellerbruch aufbaut. Die Anlage ist gepflegt, aber sie ist über 50 Jahre alt und hat längst die besten Zeiten hinter sich. Das ist für Noel Hinz allerdings kein Grund, sich nicht für die „Insassen“ dieses Tierasyls nach besten Kräften zu engagieren.
„Meine Frau und ich haben vor sechs Jahren einen völlig verwahrlosten Hund gefunden. Sein Haar war verfilzt und er wirkte sehr verstört. Wahrscheinlich hatte er schon Wochen streunend verbracht. Dieses arme Tier haben wir in das Dorstener Tierheim gebracht und mit diesem Ereignis haben wir angefangen, uns für die Sache zu interessieren“, sagt Noel Hinz. Man muss wissen, dass dieses Tierheim dort am Ellerbruch nicht als die feinste Adresse im Stadtgebiet gilt und auch nur die wenigsten Bürger wissen, was genau dort durch das Engagement der Ehrenamtlichen geleistet wird. „Die Stadt Dorsten hat die Pflichtaufgabe, herrenlose Tiere zu beherbergen. Das ist ein nüchterner Verwaltungsvorgang. Dass allerdings Tiere aller Arten würdig untergebracht, gepflegt und auch mal mit Spielkontakten beglückt werden, ist einzig und allein das Verdienst solcher Ehrenamtler wie Marina und Noel Hinz“, sagt Heike Unkel. Unkel ist derzeit dabei eine Allianz aus Ehrenamt und Politik zu schmieden, die für eine nachhaltige Verbesserung der Unterbringungssituation der Tiere sorgt. „Wir kümmern uns , wann immer es die Zeit erlaubt, um die vielen Tiere, die von einigen Zeitgenossen wie altes Spielzeug abgelegt wurden. Füttern, Stallungen säubern und auch Arbeiten an der Anlage gehören zu unseren Aufgaben“, sagt der studierte Projektleiter einer Türfabrik. Dabei kann Hinz auf eine ganze Reihe exotischer Gäste im Heim am Ellerbruch verweisen. „Vor längerer Zeit war es in Mode, Hängebauchschweine wie Hunde zu halten. Das Ergebnis ist hier zu besichtigen: Wir beherbergen drei der borstigen Tiere, die niemand mehr haben möchte“, sagt Hinz. Was sagt sein langjähriger Trainer Burkhard Bell über das Engagement des Handballer Noel Hinz? „Ich finde es einfach großartig, dass Noel sich so engagiert. Ich kenne ihn so: Was er anpackt, dass zieht er durch. Ob im Beruf ,Sport oder Ehrenamt. Toll, dass er das mit seiner Frau zusammen machen kann“, sagt Bell. Noel Hinz wird mit Freude hören, dass die Gäste des Sommerfestes der Tierschützer ihre Vorurteile über das Tierheim am Ellerbruch nicht bestätigt sahen. Das ist auch sein Verdienst.
WAZ Dorsten, 06.07.2011, Jo Gernoth