Manchmal verändert der Sport ein ganzes Leben. Bei Michael Nölscher ist das sicher der Fall. Der 31-jährige Handballer ist seit 2009 in Schermbeck und in der Zeit hat sich eine Menge getan.
Michael Nölscher und der Vorstand der Handballabteilung trafen sich am 21.3.2009 zu einem richtungsweisenden Gespräch in Schermbeck. Seit dem 1. Juni 2009 repräsentiert Michael nun die Farben des SV Schermbeck.Nölscher arbeitet als Bereichsleiter Versand in einem Logistikcenter in Hünxe. Zuvor war er als Spieler in folgenden Stationen aktiv: Seine Laufbahn begann Nölscher in der Jugend des SV Bondorf, bevor er zur SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen wechselte. Bei den Männern spielte er erneut für den SV Bondorf, die SG Holzgerlingen und vor seinem Wechsel zum SV Schermbeck neun Jahre für die SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen – acht davon in der Regionalliga. Dann kam das Aus als Handballer: Eine schwere Knieverletzung bedeutete das Ende der aktiven Karriere. Aber Burkhard Bell, jetzt Sportdirektor des SVS und Trainer der Schermbecker erkannte schon früh das Trainertalent des Leitwolfes Nölscher. Im Sommer gab es die erste massive Veränderung des Sportlerlebens von Michael Nölscher: Er wurde Nachfolger von Burkhard Bell. „Das war ein großer Schritt und mir war klar, dass ich in große Fußstapfen trete“, sagt Nölscher rückblickend.
Allerdings räumt Nölscher auch ein, dass er den Unterschied zwischen Respekt und Ehrfurcht sehr wohl kennt. „Ich bin Vertreter der Theorie, dass man mit Waldläufen keine Handballspiele gewinnt. Das hab ich zu Anfang der Saison gesagt und dazu stehe ich“, sagt Nölscher, der vor allem in der Abwehr und in der Dynamik der Auslöseaktionen die Spielsysteme der Schermbecker verändert hat. „Es gab nie Akzeptanzprobleme bei den Spielern. Das habe ich der Mannschaft zu verdanken, denn wenn dich das Team vor die Pumpe laufen lässt, geht nichts. Ich arbeite mit den Spielern daran, nicht die erste Gelegenheit zum Torabschluss leichtfertig zu nutzen. Sie müssen geduldiger warten, bis sich eine hundertprozentige Chance ergibt. Und ich will das freie Spiel ohne festgelegte Spielzüge fördern“, sagt Nölscher, der mit seiner Mannschaft allerdings nach wie vor Handlungsbedarf in der Konstanz des Spiels sieht.
Dennoch: Vor dem Saisonstart formulierte der Trainer den fünften Platz als Saisonziel. Jetzt zum Jahreswechsel überwintert der Verein genau auf diesem Tabellenplatz. „Wenn wir unsere Möglichkeiten konsequent genutzt hätten und nicht wieder mit Verletzungen zu kämpfen gehabt hätten, dann sähe die Sache noch ganz anders aus. Die Mannschaft hat ein Durchschnittsalter von 25 Jahren und hat noch jede Menge Potenzial. Da muss die Verbandsliga nicht das Ende der Fahnenstange sein. Ob wir den Sprung in die Oberliga schaffen, steht auf einem ganz anderen Blatt“, sagt Nölscher, der ansonsten längst in Schermbeck angekommen ist.
Der leidenschaftliche Handballer stammt aus Herrenberg, das mit seinen 18000 Einwohnern von der Größenordnung Schermbeck ähnelt. „Wenn ich irgendwo lebe, dann will ich mich wohlfühlen. Das geht für mich nur mit Menschen. Deshalb bin ich ja auch Teamsportler seit meiner Kindheit. Ich bin in Schermbeck wirklich toll aufgenommen worden. Allerdings muss man dafür auch etwas tun. Ich habe Glück gehabt, dass ich mich neben dem Handball sofort mit dem Thema Kilian beschäftigt habe. Leidenschaft, Tradition und Gemeinschaft sind Werte, die mich begeistern. Das ist etwas für mich“, sagt Nölscher, der nicht nur sein berufliches und sportliches Glück in Schermbeck gefunden hat. „Ich habe jetzt gerade geheiratet und die Mannschaft hat unter der Regie von Burkhard Bell an meinem Hochzeitstag zwei Punkte eingefahren. Das ist halt Schermbeck. Meine Frau ist übrigens auch Schermbeckerin“, sagt Nölscher, der in der Rückrunde mindestens Platz fünf will. Mit etwas Glück und ohne Verletzungspech geht da ja vielleicht noch etwas mehr.
WAZ, 30.12.2011, Jo Gernot