Mit seinem Heimsieg über den MTV II macht der SV Schermbeck den Durchmarsch in die Verbandsliga perfekt.
In Spielminute 56, beim Spielstand von 28:22, hatte selbst der vorsichtige Trainer keine Zweifel mehr und riss die Arme hoch: Geschafft! Mit dem 31:24 (14:13)-Heimsieg gegen die Reserve des MTV Rheinwacht Dinslaken haben die Handballer des SV Schermbeck einen Spieltag vor dem Ende das "Wunder von der Schlossstraße" vollbracht und den Durchmarsch von der Bezirks- über die Landes- bis in die Verbandsliga perfekt gemacht.
"Gut! Sehr gut! Spitze!", beantwortete Coach Burkhard Bell sektgeduscht nach der Schlusssirene die Anfrage nach seinem Wohlbefinden. Die Halle mit ihren gut 300, gefühlten 600 Zuschauern, hatte sich am Samstagabend mittlerweile in ein Tollhaus verwandelt, dem Hallenwart dürften zwischenzeitlich die Haare zu Berge gestanden haben. Diesmal rutschte jedoch kein Fotograf aus, in bester Stimmung ging es um Mitternacht von der Halle ins Vereinslokal Nappenfeld, dort bis um fünf Uhr rund.
Dabei hatten die Gastgeber vor ihrem Jubel ein gehöriges Stück Arbeit zu vollbringen. Zwar begrüßten sie den Gast vor dem Anwurf mit Manowars einschüchterndem "Warriors of the World" in Konzertlautstärke, doch im Spiel war zuerst wenig von den Kriegern zu sehen. Keeper Philipp Busjan musste seine Vorderleute mit einige gute Paraden davor bewahren, nicht noch nervöser in die Halbzeit zu gehen.
"Wir sind in der ersten Hälfte völlig unter unseren Möglichkeiten geblieben. Das war mir aber schon vorher klar", so Bell, der in der Halbzeit auch noch mitansehen musste, wie die Damen- und die zweite Herrenmannschaft ihre Aufstiege bejubelten und das gesamte Umfeld die Partie anscheinend als gewonnen ansah. Dabei stand es lediglich 14:13 für die Hausherren.
Bei den Gästen, die offensichtlich keine Lust darauf hatten, zum dritten Mal hintereinander dem Meister direkt gratulieren zu müssen, drehte besonders Patrick Kellert auf. Am Ende brachte es der Dinslakener auf stolze 13 Treffer.
Doch selbst diese Vorstellung war zu wenig gegen eine junge Schermbecker Mannschaft, die sich nach und nach ihr Selbstvertrauen zurückholte und die Führung kontinuierlich ausbaute. Der vorerst letzte Landesliga-Treffer in der Halle an der Erler Straße war zwar dem Dinslakener Manuel Praest vorbehalten, doch in der Schlussphase interessierte das Spielgeschehen sowieso kaum noch jemanden.
Manowar wich Queens obligatorischer Hymne "We are the Champions" und die Korken knallten auf Feld und Tribüne.
Dass es die Schermbecker in der Verbandsliga sehr schwer haben werden, daran dachte in diesem Moment natürlich niemand. "Daran müssen wir auch im Moment nicht denken. Wir wollen diesen Erfolg, mit dem sicherlich niemand gerechnet hatte, erst einmal unbeschwert genießen", so Burkhard Bell, der natürlich schon die Fühler nach Verstärkungen ausgestreckt hat. "Aber bei den Forderungen der Leute muss man sich schon wundern. Ich möchte die Struktur dieser gewachsenen Mannschaft nicht kaputt machen und denke eher langfristig. Möglicherweise werden wir dann auch in der Verbandsliga wieder nur Erfahrungen sammeln."
NRZ, Wesel, 27.04.2008
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