Alles, nur kein Zufallsprodukt „Ein außergewöhnliches Dorf“
So überraschend der Titelgewinn des SV Schermbeck in der Handball-Landesliga auch ist – er ist alles, nur kein Zufallsprodukt. Er ist das Ergebnis konsequenter Jugendarbeit. Er ist der Beweis, was erreicht werden kann, ohne mit den Geldscheinen zu winken, wie es auch im Handball mittlerweile üblich ist. Burkhard Bell hat über Jahre ein Team geformt, das mit dem Aufstieg in die Verbandsliga schon jetzt schaffte, was eigentlich erst mittelfristig in Angriff genommen werden sollte. Der Coach hat zahlreiche Spieler im Meisterkader bereits in der Jugend trainiert. Acht Spieler rückten in den letzten zwei Jahren aus dem eigenen Nachwuchs ins erste Team auf. Jetzt erntete der SVS den Lohn dieser Arbeit mit einer blutjungen Mannschaft.
Bell ist Realist. Deshalb fiel es ihm lange schwer, Gefallen daran zu finden, mit dem Team auf Aufstiegskurs zu liegen. Denn er weiß, dass jetzt eine ganz schwere Saison in der Verbandsliga wartet. Es kann ein bitteres Lehrjahr werden. In der Mannschaft steckt zweifelsohne genug Potenzial, um irgendwann in dieser Klasse zu bestehen. Ob das schon in der nächsten Spielzeit gelingen kann, ist die große Frage.
Schermbeck (josch) Die Meister-Trainer trafen sich gut 45 Minuten nach dem Spiel bei der dritten Halbzeit auf der Empore der Halle Erler Straße. Martin Stroetzel, der die Fußballer des SV Schermbeck in zuvor nie erreichte Höhen geführt hat, gratulierte Burkhard Bell, Erfolgscoach der Handballer, herzlich zum Aufstieg in die Verbandsliga. Stroetzel hatte sich die zweite Halbzeit des entscheidenden Spiels gegen den MTV Dinslaken II angeschaut und dann mit einem Lächeln im Gesicht von der Tribüne aus verfolgt, wie die andere Sparte im Club auf dem Feld ausgelassen ihren Triumph feierte. „Es freut mich für die Handballer“, sagte Stroetzel, um dann festzustellen: „Wir sind schon ein außergewöhnliches Dorf. Wenn man bedenkt, wie viele Einwohner Schermbeck hat und in welchen Klassen wir im Sport vertreten sind – das ist eine phantastische Sache.“
Burkhard Bell lief derweil mit blondierten Haarschopf durch die Halle und nahm Glückwunsch auf Glückwunsch entgegen. Der Coach hatte seine Wettschuld für den Fall des Aufstiegs schon vor der Partie eingelöst. Der 54-Jährige hatte sich die Haare dezent blond färben lassen. Aus doppelten Grund hatte er den Job vor dem Spiel von einer Fachkraft erledigen lassen. „Erstens wollte ich verhindern, dass die Mannschaft es nach der Partie zu doll mit mir treibt. Und zweitens wollte ich damit symbolisch den Hut vor dem ziehen, was die Spieler in dieser Saison schon erreicht hatten“, sagte Bell, der seit 1991 als Trainer beim SVS arbeitet.
Der Verein zeichnete in der Pause des Spiels gegen den MTV Dinslaken II zwei Meister-Teams aus. Die Frauen-Mannschaft, die ohne Niederlage den Titel in der Bezirksliga gewann, sowie das zweite Herren-Team, das Meister in der Kreisliga wurde. Der SVS II wird die Saison in der Bezirksliga mit einem neuen Trainer angehen. Wolfgang Keysers, der bislang die dritte und vierte Mannschaft betreute, übernimmt den Aufsteiger. Er löst Frank Brands ab, der aus beruflichen Gründen aufhörte.
(RP)
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