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Harry und der Schraubstock |
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Das Testspiel des SV Schermbeck gegen den Zweitligisten TV Emsdetten endete wie erwartet mit einer hohen Niederlage des Bell-Teams. Dennoch hat das 10:38 rund 150 Zuschauern Spaß gemacht.
Woran erkennt der Handball-Laie den Unterschied zwischen einer Bundesligamannschaft und einem Verbandsligisten? Ganz einfach: An den Werbeflächen auf dem Sportdress. Das rot-weiße Laibchen des SV Schermbeck ziert ein Werbespruch, die Montur der Gäste aus Emsdetten war mit insgesamt neun Werbebotschaften übersät. Dabei war wohl die wichtigste Botschaft des Bundesligisten aus dem Emsland: Handball ist ein toller Sport.
Was die Kanten aus dem hohen Norden unter der sportlichen Leitung des Dänen Lars Walther in der Sporthalle an der Erler Straße inszenierten, war Handball der feinen Art. "Die können was. Mich erinnert das ein wenig an unsere haushohe Niederlage gegen Tatra Koprinice Anfang der 1980er Jahre", meinte Handball-Veteran Dieter Bösing und musste dabei lachen, denn die Spieler aus der damaligen CSSR waren nicht nur auf dem Spielfeld beinhart, sondern auch bei Nappenfeld am Tresen vom anderen Stern. Die Emsdettener probierten gegen den SV Schermbeck allerdings auch Sachen aus, die eher an eine Meinungsverschiedenheit in einem nicht so gutbürgerlichem Gasthaus wie das von Clemens Nappenfeld erinnerten. "Ich fühle mich, als wenn ich in einen Schraubstock geraten wäre. Wenn da mal noch alle Rippen heil sind", orakelte Harry Herden nach seinem Zweikampf Duje Miljak. Der Rückraum-Hüne ließ Herden und auch den nicht unbedingt zart gebauten Daniel Robert im wahrsten Sinne des Wortes am langen Arm verhungern. Irgendwie logisch, dass der SV Schermbeck Respekt gegenüber dieser Riesen entwickelte und sich da durch bei mancher Aktion selbst im Wege stand. Für drei Tore brauchten die Schermbecker 43 Minuten Spielzeit. Als sie dann endlich einmal spielten, warfen sie sieben Tore in nicht ganz zehn Minuten. "Uns ist ein Turnier weg gebrochen. Da ist jede Bewegung wichtig und es macht Spaß gegen eine Mannschaft mit vielen Talenten anzutreten", lobte Emsdettens Trainer Lars Walther die Schermbecker, die sich zwar respektvoll zeigte, aber keineswegs kniffen, wenn es etwas robuster zur Sache ging. Daniel Robert zeigte übrigens keinen Respekt vor dem Klasse-Torhüter der Gäste und verwandelte seinen beiden Siebener sicher. "Wir haben Spaß gehabt und es waren 150 Leute in der Halle, die richtig guten Handball gesehen haben. Ein schöner Abend für unseren Sport", freute sich Burkhard Bell. Diese Freude wurde nach dem Abpfiff dieser Partie mit guter Musik und einem zünftigen Imbiss konserviert. Natürlich erinnerten sich die Veteranen an ihre Auftritte gegen die großen Mannschaften und bescheinigten ihren Erben ein großes Herz. Und Harry Herden? Der rätselte noch über seine Begegnung mit dem Schraubstock und seinen Rippen.
WAZ Dorsten, 19.08.2008, von Jo Gernoth
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