Der
SV Schermbeck verspielt in der Pokalbegegnung gegen die HSG Wesel einen
komfortablen Vorsprung von fünf Toren und verliert am Ende mit 18:20.
Nervosität und eine indiskutable zweite Halbzeit bedeuten das Pokal-Aus
Es
schneite am Sonntagabend. Nicht nur in der freien Natur, sondern auch
in den Gedanken von SVS-Trainer Burkhard Bell. Wobei dieser Schnee in
den Gedanken des Trainers ganz sicher nicht leise rieselnder
Advents-Schnee war, sondern sicher eher etwas von einem Blizzard hatte.
Was war geschehen? Der SV Schermbeck beginnt in der Weseler Rundhalle
hochkonzentriert und legt so etwas wie einen Blitzstart auf das
Parkett. "Wir sahen in den ersten 20 Minuten der Partie so aus, wie ein
Sieger aussieht. Wir haben mit fünf Toren Vorsprung geführt und haben
mit manchen Spielzügen den Gegner geradezu deklassiert", rekapituliert
Burkhard Bell den ersten Akt dieses rheinischen Dramas, denn der zweite
Akt der Partie, der sollte es in sich haben.
Mit vier Treffern unter seinen Möglichkeiten: Heiko Kreilkamp kann es eigentlich besser.Foto: Christoph Joemann, bbv (WAZ)
Klar, im Normalfall hat eine Handballpartie nur zwei Hälften, doch
dieses Spiel ist besser in Dritteln zu betrachten. Also: Das erste
Drittel zeigte einen glanzvollen SV Schermbeck und das zweite Drittel?
Das war eine Art von spielerischer Versicherung an Eides statt. "Wir
haben einen Vorsprung von fünf Toren aus der Hand gegeben und Wesel hat
aus einem 4:9 ein 10:9 gemacht. Wir haben keine Tore mehr geworfen und
unser Selbstvertrauen ist völlig auf der Strecke geblieben. Das ist für
mich völlig unerklärlich und lässt sich auch nicht durch Nervosität
entschuldigen. Über diese Phase des Spiels müssen wir ganz ausführlich
sprechen", meinte ein konstatierter Burkhard Bell, der nicht im
Schneegestöber sondern angesichts dieser Leistung allein im Regen
stand. Die Gardinenpredigt in der Halbzeitpause aktivierte die Spieler
nicht unbedingt dazu, einen Gewaltakt zu starten, denn es war immer
noch der zweite Akt des Dramas im Gange. Es hatte quasi nur die Kulisse
gewechselt. Wesel übernahm die Initiative und machte das Spiel.
Schermbeck hechelte hinter dem Rückstand her, der für Wesel ein knapper
Vorsprung war. Diese knappe Bastion verteidigte Wesel geschickt und
Schermbeck griff diesen nicht konsequent genug an. Einfache Bälle
wollten nicht gelingen und die starken Schützen des SV Schermbeck trafen
nicht so, wie man das von ihnen gewohnt ist. Ein alter Kinderreim fragt
nach dem Namen des Bürgermeisters von Wesel und als Antwort wird da
häufig die Gattung eines grauen Lastenträgers mit dem
Hauptverbreitungsgebiet Südeuropa genannt. Die Esel in dieser Partie
waren in der Tat die Schermbecker, die sich im dritten und letzten Akt
wieder mühten und schwer an der Last ihres Aussetzers zu schleppen
hatten. Auch wenn Burkhard Bell in der Schlussphase der Partie noch
einmal alle Register zog: Seine Jungs blieben jetzt so etwas wie
Schatten ihrer sonstigen Leistungsfähigkeit und diese Schattenkrieger
hatten letztlich auch in der offenen Deckung der Schlussminuten nicht
die Power, dass Ding zu drehen. Im Gegenteil: Burkhard Bell nahm kurz
vor der Sirene eine taktische Auszeit, um einen Wurf, einen Angriff
vorzuschlagen. Das Ergebnis war allerdings ein völlig anderes, als das
gewünschte: Statt 19:19 stand es zum Schluss 18:20. Eine verschenkte
Gelegenheit der jungen Wilden. Schermbeck: N. Bell, Busjan; Chr. Seibel (2), S. Seibel (2), Kuhn (1),
J. Nappenfeld, Speckamp (1), Kreilkamp (4/1), Hinz, F. Bell, Felisiak
(1), Timmermann (4/1), von Berg (2), Kuhlmann (1). WAZ Dorsten, 23.11.2008, von Jo Gernoth
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