
Mit breiter Brust und noch breiterem Grinsen hakt der SV Schermbeck nach und nach seine Stationen in der Verbandsliga ab. Allen Unkenrufen zum Trotz sorgt der Provinzverein derzeit mit überzeugenden Leistungen für großes Staunen in der Szene.
Drei Spiele sind absolviert. Zwei Siege, eine äußerst knappe Niederlage beim Tabellendritten TV Vorst: Der SVS ist Fünfter und hat sich in seiner zweiten Verbandsliga-Saison Respekt verschafft.
Mit seinen familiären Strukturen nimmt der SV Schermbeck die Rolle des Paradiesvogels ein. In einem Liga-Umfeld, in dem nicht zuletzt bezahltes Personal über die Punktausbeute entscheidet, trumpft der SVS mit neun jungen Spielern auf, die der eigenen Jugendarbeit entwachsen sind. Es ist kaum verwunderlich, dass die selbst ernannten Liga-Experten den SV Schermbeck nun schon zum zweiten Mal in Folge zum Kellerkind abstempeln. Diese Kenner tummeln sich unter anderem im Handball-Forum „meinelieblinge.de”. Eine Umfrage sah den SV Schermbeck dort in der letzten Saison als Absteiger Nummer 1. In diesem Jahr meinte dort immerhin noch jeder Dritte, der SVS habe nicht das Zeug für die Verbandsliga.
Die Kenner und Experten sind still geworden nach den ersten drei Spieltagen, an denen der SV Schermbeck seine spielerische Daseinsberechtigung mehrfach und eindrucksvoll unterstrich. „Wir sind sehr gut gestartet”, sagt Burkhard Bell. Selbst der Schermbecker Trainer hatte seiner Mannschaft nur zwei Punkte aus den ersten beiden Spielen zugetraut. „Jetzt sind es vier”, sagt Bell zufrieden und blickt dem kommenden Heimspiel gegen den Tabellenletzten TV Walsum-Aldenrade gelassen entgegen.
Doch woher kommt er, der Erfolg des SV Schermbeck? 1997 initiierte der Verein das Jugendprojekt „Future Team”. Sponsoren finanzierten über Jahre hinweg Aktionen, die über den normalen Spiel- und Trainingsbetrieb hinaus gingen. So trainierte in der Halle an der Erler Straße unter anderem DHB-Lehrwart Klaus Feldmann den Schermbecker Nachwuchs. Auch das Jugend-Camp mit Trainerakademie hat seinen Ursprung im Future Team. Das Camp feiert in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum. 60 Jugendliche werden die erste Woche der Herbstferien fast ausschließlich dem Handballsport widmen.
Das Projekt „Future Team” gehört zwar seit sechs Jahren der Vergangenheit an, seine Triebe werden aber weiterhin gepflegt. „Die intensive Jugendarbeit zahlt sich aus”, sagt Burkhard Bell. Jugend-Teams des SVS spielten in der Verbands- und Oberliga. Einige von ihnen sind nun mitverantwortlich für den guten Start in die Verbandsliga-Saison.
Von Spiel zu SpielÜberbewerten will Burkhard Bell den Start nach Maß jedoch nicht: „Wir denken von Spiel zu Spiel und mit Aufstiegsfragen beschäftigt sich hier niemand.” Für viel wichtiger als den sportlichen Erfolg hält der Trainer ohnehin das gesunde Vereinsleben. Zwar schafft die Teilnahme an der Verbandsliga großes Identifikationspotenzial („Wir haben nie Probleme, einen Wischer für unsere Spiele zu finden”, so Bell), allerdings kommt es Trainer und Mannschaft auch darauf an, den anderen rund 500 Abteilungsmitgliedern etwas für die Unterstützung zurück zu geben. So hat die erste Mannschaft die Patenschaft für die weibliche D-Jugend des Vereins übernommen. „Heimspiele dieser Mannschaft werden immer von Schiedsrichtern aus meiner Mannschaft geleitet”, erklärt Bell.
Und während andere Mannschaften der Liga Summen in ihre ersten Mannschaften stecken, mit denen der SV Schermbeck seine ganze Abteilung finanzieren kann, freuen sich die Spieler des SVS nach jedem Spiel darüber, dass die Schlusssirene nicht das Ende eines Spieltags bedeutet. „Es ist auch die starke Gemeinschaft, die uns stark macht”, sagt Bell.
WAZ Dorsten, 01.10.2009, Felix Hoffmann