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Sonntag, 27. Dezember 2009 um 12:42
Burkhard Bell trainiert seit 2000 den Handball-Verbandsligisten SV Schermbeck. Zu den Stützen des Teams gehören seine Söhne Frederik und Niklas. Der Vater und die Zwillinge liegen nicht nur beim Handball auf einer Wellenlänge. Auch neben dem Sport gibt's viele Gemeinsamkeiten.
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Die Handball-Familie: Vater Burkhard sowie die Zwillinge Niklas (unten) und Frederik fühlen sich in Schermbeck pudelwohl, wo sie seit zwölf Jahren wohnen. RP-Foto: Ekkehart Malz
Burkhard Bell ist heute für das Dessert verantwortlich, wenn sich die Familie mit den Nachbarn, die gute Freunde geworden sind, traditionell zum Weihnachtsessen trifft. Calvados-Äpfel mit Mascarpone-Creme wird der 55-jährige Erfolgscoach der Handball-Abteilung des SV Schermbeck auftischen.
"Ich koche gerne", sagt Bell. "Und gut", stellen seine Söhne Frederik und Niklas fest. Nicht nur in diesem Moment herrscht Harmonie in der Familie, in der sich vieles, aber lange nicht alles um Handball dreht. Auch wenn dieser Sport natürlich wichtiger Bestandteil im Leben des Bells-Teams ist.
Burkhard Bell, der von seiner Frau Anne, selbst eine gute Handballerin, geschieden ist, arbeitet seit 18 Jahren als Coach beim SV Schermbeck. Er war erst neun Jahre lang für die Frauen-Mannschaft verantwortlich, mit der er von der Bezirks- bis in die Oberliga aufgestiegen ist.
Anschließend übernahm der 55-Jährige Lehrer für Mathematik, Sport und evangelische Theologie am Gymnasium Petrinum in Dorsten das Herren-Team. Bell führte es von der Bezirks- in die Verbandsliga. Zu den Stützen der Mannschaft gehören seine 21 Jahre alten Söhne. Frederik spielt im Rückraum, sein Zwillingsbruder Niklas, der eine Minute später auf die Welt kam, ist Torhüter. Handball – das ist die Leidenschaft im "Männer-Haushalt, der sich prima arrangiert hat". Doch er ist nicht das beherrschende Thema. Dafür gibt's zu viele andere Gemeinsamkeiten. Thema Fußball: Der Vater und die Söhne sind im Schalke-Land Schermbeck bekennende Anhänger von Borussia Dortmund und stolz darauf, dass sie 2002 im Westfalenstadion in der Südkurve standen, als der Club sich seine letzte Deutsche Meisterschaft sicherte.
Thema Beruf: Die Söhne wollen werden, was der Vater ist: Lehrer. Niklas studiert in Dortmund Mathematik und evangelische Theologie fürs Lehramt, Frederik in Essen Mathematik und Sport.
Thema Schermbeck: Die Bells fühlen sich im Ort, in dem sie seit zwölf Jahren leben, pudelwohl. "Man kennt sich, man trifft sich und alles ist schön übersichtlich." Das schätzt nicht nur der Vater. Sohn Niklas, der von montags bis donnerstags am Studienort Dortmund wohnt, ist froh, den Rest der Woche in Schermbeck zu sein. "Ich würde nie in die Anonymität einer Großstadt ziehen", sagt er. Einen sportlichen Wechsel weg von Schermbeck schließen die Brüder aber nicht aus. Die Zwillinge haben ein gemeinsames Ziel. "Die Verbandsliga soll nicht die Endstation sein." Am liebsten würden sie das Ziel natürlich mit dem SV Schermbeck erreichen. Doch da ist der Vater etwas skeptisch. "Wir stoßen mit unseren Strukturen langsam an unsere Grenzen", sagt er. Was kein Wunder ist, nachdem es in den Jahren unter Bells Regie rasant nach oben gegangen ist. Auch in dieser Saison gibt's wieder deutliche Fortschritte. Aus dem Team, das in der letzten Saison noch bis zum vorletzten Spieltag um den Klassenerhalt bangen musste, ist eine Mannschaft geworden, die jetzt einen Platz in der oberen Tabellenhälfte einnimmt.
Burkhard Bell ist stolz darauf, "dass wir das mit einem Team geschafft haben, dass zu 80 Prozent aus Eigengewächsen besteht". Doch ob der SVS in der Lage ist, wenigstens in die Oberliga vorzustoßen, in der seine Söhne ihr sportliches Glück einmal suchen wollen, wagt der Vater zu bezweifeln. "Wir müssten uns dafür wahrscheinlich mit mehr Spielern von außerhalb verstärken. Das könnte das Gefüge im Verein beschädigen", meint der Coach, für den der Teamgedanke an oberster Stelle steht.

Ins zehnte Jahr?
Burkhard Bell hat noch nicht entschieden, ob er als Trainer der Herren-Mannschaft ins zehnte Jahr geht. "Die Gespräche mit dem Vorstand stehen noch aus", sagt der Coach.
Bell schätzt das Umfeld beim SV Schermbeck. "Ich bin ein Trainer, der nur arbeiten kann, wenn er in Ruhe gelassen wird. Das ist beim SVS der Fall. Auf der einen Seite mischt sich niemand in meinem Bereich ein. Auf der anderen Seite gibt's genug Leute, die mitziehen. Nur so sind die Erfolge möglich, die wir haben."

Dass seine Söhne mittlerweile ins Trainergeschäft eingestiegen sind, versteht sich fast von selbst, weil das Bell-Team in fast allen Dingen auf einer Wellenlänge liegt. "Manchmal rappelt es aber auch bei uns", sagt Niklas Bell, der wie sein Bruder beim SVS ein Nachwuchs-Team coacht. Der Vater ist Vorbild bei der Arbeit mit der Jugend und wird oft um Rat gefragt. "Er hat eine klare Linie und verfolgt die Ziele, die er hat, konsequent", meint Frederik. "Er hat die gewisse Strenge, die man als Trainer braucht", sagt Niklas. Als Vater auch. "Als Trainer ist er aber strenger", erklären die Zwillinge.
Burkhard Bell weiß es. "Ich verlange gerade von meinen Söhnen mehr als von anderen Spielern", sagt er. Er tut's wohl auch, um sich nicht dem Vorwurf aussetzen zu müssen, seine Kinder zu bevorteilen, die dem Vater in einer Beziehung den Rang abgelaufen haben. "Ich habe es als Spieler nur zu einem passablen Bezirksliga-Akteur geschafft", sagt Burkhard Bell.
Er begann seine Trainer-Laufbahn mit 25 Jahren – beim Frauen-Regionalligisten AdH Weidenau in Siegen. Seitdem hat er einige Stationen hinter sich. Seine Jungs noch nicht. Sie kennen nur einen Verein: den SV Schermbeck. Und einen Trainer: ihren Vater, der sie auch in der Jugend coachte. Der ist in all den Jahren seiner Linie treu geblieben. "Ich versuche auch als Trainer ich selbst zu sein", sagt der 55-Jährige. Nicht nur das funktioniert im Bell-Team.
Rheinische Post, Joachim Schwenk
 
 

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  • guest_8045 : !. Damen gewinnt gegen Turnerbund Osterfeld 1F mit 15:16. Ein ganz knapper Sieg .
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